Konzept Arbeitsplätze für Jugendliche

Jeder Mensch möchte in seiner persönlichen Besonderheit verstanden, wertgeschätzt und geschützt werden.

Arbeit gehört zu den grundlegenden menschlichen Lebensäußerungen. Sie schafft Identität in unserem Verhältnis zur Welt.

Jedes menschliche Leben besitzt eine unantastbare Würde, die sich entfalten und sich weiter entwickeln will. Wir wollen dabei Wegbegleiter sein.

leben am hofe e.V. will einen Ort sinnvoller Arbeit schaffen und dadurch die Entwicklung und Selbstachtung des Arbeitenden fördern. Dieses Tätigsein soll in gleicher Weise dem gemeinsamen Wohl als auch dem Einzelnen in der Gemeinschaft dienen. In einer solidarischen Gemeinschaft werden die Schwächen des Einzelnen ausgeglichen und ertragen, und seine Fähigkeiten kommen für die anderen zur Geltung.

Wir möchten Tätigkeiten anbieten, die es Jugendlichen mit verschiedenen Begabungen und Behinderungen ermöglichen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und zu entfalten. Entwicklung bedeutet, Grenzen zu überschreiten. Wir sind bestrebt die Selbständigkeit des einzelnen zu fördern; aber auch Grenzen anzuerkennen. Unser Lebens- Arbeits- Wohnprojekt bietet zahlreiche Tätigkeitsfelder an.

Mitarbeit in der Kinderkrippe,
im Gartenbau,
Anbau und Verkauf von Blumen-, Gemüse-, Obst (auch Trockenobst)-, Kräutern,
in der Cafeteria,
im Werkbereich,
- Verkauf von selbstgefertigten Gegenständen aus Holz,
im Kunsthandwerk:
stricken, filzen, weben
- Anfertigen von Postkarten,
in der Herstellung von Leinöl,
im Dienstleistungsbereich:
- Bügelstube, Waschküche, Näharbeiten,
- Catering

Die Arbeitsbedingungen finden unter der Obhut geschulter Mitarbeiter statt, welche die im Sozialen erforderliche Kompetenz haben.
Die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich laufend zu schulen und zu entwickeln, halten wir für unentbehrlich für ein fruchtbares Zusammenarbeiten.
Feststehende Hierarchien wollen wir vermeiden und eine Selbstverwaltung in Kollegialität und Partnerschaft anstreben.
Anstelle einseitiger Kontrolle üben wir uns in gegenseitiger Beratung und Zusammenarbeit. Wir wünschen uns, dass möglichst viele Menschen Aufgaben mit übernehmen, mit gestalten und sich mit Anregungen und Ideen einbringen.
Um als Gemeinschaft zu bestehen und sich weiterentwickeln zu können, brauchen wir die Hilfe uns nahestehender Menschen, Angehöriger und Freunde wie auch der Gesetzgeber, Behörden oder Wirtschaftspartner. Mit einem solchen Umkreis , der uns unterstützt und mitträgt, sehen wir uns in besonderer Weise verbunden und suchen einen befruchtenden Austausch. Wir sind dankbar für alle Anregungen.
Als Zeitgenossen stellen wir uns der Verantwortung gegenüber dem gesellschaftlichen Umfeld, den sozialen Problemstellungen der Gegenwart wie der Zukunft.

Unsere sozialen Bemühungen möchten ein Beitrag zur menschenwürdigen und wettbewerbsfähigen Gestaltung unserer Gesellschaft sein.
 

 

Konzept Gemeinsames Wohnen von jüngeren und älteren Menschen

Die Idee ist schon vor Jahren in verschiedenen Ländern Europas geboren worden von Menschen, die aktiv sind und nicht in einem Heim nur aufs Essen warten wollen, sondern sich ihren Lebensabend so aktiv und ausgefüllt wie möglich gestalten wollen.
Eine Schweizer Initiative für ehemalige Mägde und Knechte sieht vor, daß Gartenarbeit, Küchenarbeit oder die Haltung von Kleintieren weiterhin möglich sein sollen für diejenigen, die es möchten …
Jeder, der es will, kann sich aktiv einbringen oder auf der Bank in der Sonne sitzen und nur Vogelsang und Blumenduft genießen.
Frau Christine Brückner schildert eine deutsche Initiative von älteren Menschen, die in Gemeinsamkeit zuversichtlich und heiter ihr letztes Lebensdrittel verbringen wollen. Sie akzeptieren natürlich auch, daß jemand in der Gemeinschaft krank wird - oder schon krank ist - und in dieser Gemeinschaft sterben möchte. (Lit.: Christiane Brückner "Die letzte Strophe" Ullstein Verlag, 2000) Sie hatten eine Rosenliebhaberin, einen "stillgelegten" Landwirt und einen Schriftsteller. Jeder konnte sich in der Gemeinschaft einbringen, helfen oder Hilfe bekommen oder "seinen Bernsteintag haben", d.h. sich zurückziehen und privatisieren. Die Erfahrungen, daß Aktivitäten anzusehen schon jung und lebendig hält, gab uns den Mut für eine Wohnplanung von an Parkinson erkrankten Menschen gemeinsam in einem Haus, in dem tagsüber Krabbelkinder betreut werden. Weil gerade die ganz Kleinen eine so sonnige Ausstrahlung haben, die alle Menschen erfreut, tröstet und aktiviert. Unsere Gemeinschaft mit anderen Menschen möchte qualitative Projektarbeit und kulturelle Veranstaltungen haben.
Eine Präsenzbibliothek soll aufgebaut werden und mehrere interessierende Themen besprochen werden. Wir halten einen intensiven Gedanken- und Ideenaustausch mit gemeinsam getragenen Resultaten/Resolutionen oder schriftlich verfaßten Ergebnissen aller Beratungen für wichtig - mit denen sich jeder der Anwesenden einverstanden erklären sein kann.
Man kann gemeinsame Ausflüge machen, Sport treiben, eine Werkstatt und Nähstube haben. Alle Initiativen, die wir räumlich unterbringen können, werden berücksichtigt.
Die gemischte Altersstruktur hilft auch jüngeren Leuten mit Rat und Erfahrungen, mit stundenweise Kinderhüten oder künstlerischen Kursen.
Alles soll auf Qualität und Freude aufgebaut werden. Dann kann man auch die Kümmernisse besser verkraften; denn geteiltes Leid ist halbes Leid.

Bei der jetzigen Vereinsamung so vieler Menschen möchten wir einen liebevollen Umkreis bauen, der dem entgegen wirkt.

Konzept für eine Kleinkindkrippe

Neuere Erkenntnisse der frühkindlichen Entwicklungsforschung zeigen, dass Kleinkinder emotional, geistig und körperlich verstanden werden müssen und ihnen die Möglichkeit gegeben werden muss zur altersgemäßen seelischen und geistigen Entwicklung. Unser Konzept unterstützt liebevoll die Fähigkeiten der Kleinkinder.

Die Grundlage unserer pädagogisch pflegerischen Arbeit sieht vor, in einer angemessenen Umgebung einen geschützten und behüteten Raum zur Verfügung zu stellen, ganz nach den Erfordernissen dieser Altersstufe. Es ist vorgesehen, Kleinkinder bis zum Kindergartenalter von drei Jahren aufzunehmen. Unser Konzept sieht vor, diese entsprechend ihres höheren Bedürfnisses nach Schutz und Ruhe in einem eigens für sie gestalteten Raum zu betreuen, sie aber andererseits auch zu bestimmten Zeiten im Tageslauf in die Gemeinschaft mit anderen Kindern zu integrieren.

Dies ermöglicht den Erzieherinnen eine gezielte Förderung der Kleinsten, indem die Angebote im lebenspraktischen, motorischen und künstlerischen Bereich ganz gezielt auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse dieser Altersstufe zugeschnitten werden. So steht in dieser Altersstufe neben der Entwicklung von Vertrauen und Bindung im sozialen Gefüge insbesondere die Sinnes- und psychomotorische Entfaltung im Vordergrund. Daneben bietet die Gemeinschaft mit den größeren Kindern immer wieder die Chance eines intensiven sozialen Austausches und Lernens der Kinder untereinander.

Beispielsweise wird eine wichtige pädagogische Aufgabe für die Kinder ab dem sechsten Lebensmonat darin gesehen, den Prozess des sich Aufrichtens und des Gleichgewichts-Findens zu begleiten. Für diesen Entwicklungsschritt ist viel Schutz und Achtsamkeit nötig. Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, dass sich die Kinder nach ihren Neigungen beschäftigen und geeignete Angebote "greifbar" sind und sie sich so körperlich und seelisch bestens entwickeln.

Da die Betreuung außerhalb der Familie in einem Alter beginnt, in dem das Kind noch einen besonderen Schutz für seine Entwicklung benötigt, sind Vertrauensbildung, Sicherheit und Orientierung von ganz besonderer Bedeutung. Um diesem Aspekt und der damit notwendigen Kontinuität Rechnung zu tragen, sollen die Kleinkinder von einer Erzieherin als feste Bezugsperson betreut werden. Bei der Ernährung achten wir auf biologische Qualität, um Entwicklung und Wesenskräfte der Kinder zu fördern. Unsere Dienstleistungen stehen auch den Eltern zur Verfügung, gemäß unseren waldorfpädagogisch erprobten und anderen pädagogischen Erkenntnissen. Eine gute und harmonische Beziehung zwischen Kindern, Eltern und Betreuern ist ein Garant für die emotionale, geistige und körperliche Entwicklung des Kindes. Unser Angebot ist als eine Familien ergänzende Erziehung anzusehen, in der sich die Kleinkinder frei entwickeln werden. Als einen wesentlichen Aspekt im Bereich der Kleinkindbetreuung sehen wir eine starke Einbeziehung der Eltern, insbesondere kontinuierlichen Austausch zwischen Elternhaus und Erzieherin. Dazu verhilft auch eine sorgfältig gewählte Eingewöhnungszeit. Möglichkeiten für elterliche Hospitation sind jederzeit gegeben und die flexiblen Betreuungszeiten können den Arbeitszeiten der Eltern angepaßt werden.

Konzept für das Parkinson-Wohnprojekt

Morbus Parkinson ist eine Krankheit des zentralen Nervensystems, bei der in einem Kerngebiet des Gehirns, der Substantia nigra, die Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin herstellen, langsam zugrunde gehen. Als Folge kommt es zu einem charakteristischen Krankheitsbild mit Bewegungsstörungen unterschiedlicher Art, welche stets auch die gesamte Persönlichkeit des Patienten beeinflusst entsprechende Auswirkungen auf sein familiäres und soziales Umfeld hat.

Wodurch ein Parkinson-Syndrom hervorgerufen wird, ist obwohl man um die biochemischen Verhältnisse im Gehirnstoffwechsel weiß, noch unklar. Man nimmt an, dass bei der Entstehung von Parkinson viele Faktoren zusammenkommen, die die Erkrankung manifestieren.

Parkinson zählt zu den häufigsten neurologischen Störungen, man rechnet mit 80-160 Parkinson-Kranken bezogen auf 100 000 Einwohner. Die Angaben zur Neuerkrankungsrate besagen, dass pro Jahr etwa 5-20 neue Parkinsonfälle, bezogen auf 100 000 Einwohner hinzukommen. Die Gesamtzahl der Erkrankten beläuft sich auf 150 000-200 000 Menschen pro Jahr. Die Neuerkrankungshäufigkeit liegt bei 12 800 Patienten pro Jahr.

Patienten mit juvenilem Parkinson machen etwa 10% aller Parkinson-Patienten aus, sie sind jünger als 40 Jahre, manche trifft es sogar schon mit 20.

Durch Mobilitätseinschränkungen entstehen den Betroffenen vielfältige Schwierigkeiten und Probleme, die einen gravierenden Verlust an Lebensqualität zur Folge haben. Eine moderne medikamentöse Parkinsontherapie oder Implantationen von Hirnschrittmachern können die Lebensqualität entschieden verbessern.

Herauszuheben ist jedoch, dass es unter den neurologischen Erkrankungen kaum eine gibt, bei der die wechselseitigen körperlich-seelischen Einflüsse von so wesentlicher Bedeutung sind, auf die Symptome und den Zustand der Patienten bezogen, wie beim Morbus Parkinson.

Ganz besonders deutlich wird, dass es in einem positiv gestimmten Umfeld bei den Patienten seelische und infolge dessen auch motorisch Verbesserungen gibt, wobei die Notwendigkeit bewusst wird, die Lebenssituation ändern zu müssen.

Das Leben mit dieser Krankheit bringt viele Überraschungen. Nachdem es zur Akzeptanz der Krankheit gekommen ist, gibt es zum Erstaunen vieler die Entdeckung eigener Stärken und die Erkenntnis, dass der weitere Verlauf der Krankheit durchaus selbst von den Betroffenen gelenkt werden kann.

Konventionelle Angebote berücksichtigen die sozialen Aspekte nicht in ausreichendem Maße, so ist ein Parkinsonpatient in einem Pflegeheim oft am falschen Platz, da seine kognitiven Fähigkeiten ja in keiner Weise eingeschränkt sind. Auch kann der familiäre Verband einer Versorgung und Betreuung oftmals nicht gerecht werden.

Die Erfahrung zeigt, dass die Berücksichtigung der psychosozialen Situation den Patienten und seinen Forderungen erhebliche Verbesserungen gewährleistet. An genau diesem Punkt wollen wir intensive Arbeit leisten.

Eine Wohngruppe soll verhindern, dass die Erkrankten aus ihren sozialen Strukturen herausfallen und in die Isolation geraten. Innerhalb des Projektes "leben am hofe e.V." soll die Vielfalt wiederhergestellt werden und sowohl die Lebens- und Gefühlsqualität, als auch eine seelisch-körperliche Stabilisierung erzielt werden.

Im sozialen Austausch sollen die Patienten ihr Selbst wieder finden und sich neu definieren.

Eine Neuorientierung kann für die Bewohner eine Herausforderung sein ihre Eigenständigkeit wiederzuerlangen, trotz ihrer Einschränkungen. Das Ausbrechen aus fest gefügten Rollen kann gewagt werden und impliziert gleichzeitig das Herantasten an die eigenen Grenzen.

Die von Parkinson betroffenen müssen sich einer besonderen Herausforderung stellen, es gilt nämlich zu entdecken, was Umformung und Neuorientierung alles bewirken kann. Hierbei können sich ungeahnte Chancen auftun, wenn man bereit ist sich auf sein noch vorhandenes Vermögen einzustellen und etwas Neues daraus zu entwickeln.

"leben am hofe e.V." möchte den Patienten bzw. Bewohnern mit Morbus Parkinson die Möglichkeit bieten, durch Eingebundensein in dieses Lebens-Arbeits-Wohnprojekt ein neues Selbstverständnis aufbauen zu können, welches trotz Einschränkungen das Selbstbewusstsein der Erkrankten zulässt und einen heilsamen Entwicklungsprozess fördert .

Ferner ist das Projekt auch unter dem gesundheitspolitischen und sozialrechtlichen Anspruch auf Teilhabe zu betrachten. Hier geht es u. a. um die Autonomie der Kranken im häuslichen Leben, um interpersonelle Aktivitäten, Beruf und Beschäftigung.

Um eine spätere Intensivierung der ambulanten Versorgung zu gewährleisten, wird für eine Versorgung über Pflegedienste und andere ambulante Komplextherapien gesorgt.

So gibt es in näherer Umgebung Selbsthilfegruppen der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V., die neben Informationsveranstaltungen und anderen Aktivitäten vor allem einen adäquaten, qualifizierten Reha-Gruppensport anbieten.
 



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